türkische Migranten howto

March 21, 2007

Am letzten Tag, der noch in die Kategorie Urlaub fallen würde, habe ich ein Theaterstück gesehen, dass sich über die Problematik der Arbeitsmigranten aus den Sechzigern in Deutschland beschäftigte. Klingt eigentlich nicht so prickelnd, ist es bei näherer Betrachtung schon, da sich hier auch mal wieder die Widerspüche unserer Gesellschaft aufzeigen, dürfen. In der Türkei ist das Sozialsystem wie wir es aus Deutschland kennen nur schwach bzw. gar nicht ausgebildet. Dass der Staat wie die eierlegende Wollmilchsau für jeden sorgt, liegt hier fern jeglicher Realität. Deswegen sind viele Familien nach Deutschland oder besser Europa gekommen um hier Geld zu verdienen und um ihren Kindern eine universitäre Ausbildung zu ermöglichen oder einfach nur der Armut zu entfliehen. Es wurden aber während der Wirtschaftswunderzeit keine Fachkräfte gefordert sondern Leute, die einfach nur die "Drecksarbeit" erledigen. Und laut Marx`cher Analyse nach der der Mensch das wird was er tut, hat sich das "Ey Alder, was gugst du?"-Klischee in Deutschland und der Türkei etabliert. Durch das Lohngefälle von Europa und Türkei rutschen die Deutschtürken in das Mittelschichtsniveau, haben aber nicht die Bildung genossen in diesen Kreisen akzeptiert zu werden. Umgekehrt verhält es sich genauso, da für die ärmere Unterschicht sich diese eben nicht arm genug dran sind. Da der Westen gemeinhin auch als quasiparadiesische Utopie gesehen wird, werden die, welche zurückkommen, wie gefallene Engel die aus dem Paradies rausgeworfen wurden, betrachtet, statt als freiwillige Heimkehrer die dort sein wollen. So fällt es den Arbeitsmigranten schwer in Deutschland gegen Rassismen und Diskriminierung und in der Türkei gegen die soziale Schichtung anzutreten.

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